
Die kontinuierliche Verringerung des Energieverbrauchs steht im Zentrum des technischen Flottenmanagements von AIDA Cruises. Um Treibstoffbedarf und Emissionen weiter zu senken, wertet das Unternehmen fortlaufend Betriebsdaten aus und optimiert sowohl die Routenführung als auch die hydrodynamischen Eigenschaften der Schiffe.
Ein flächendeckendes Energiemanagementsystem verbindet die gesamte Flotte mit einer zentralen Datenplattform. Diese transparente Datenbasis ermöglicht es den Teams an Bord und an Land, den Schiffsbetrieb zielgerichtet zu steuern. Ergänzend analysieren digitale Werkzeuge, Algorithmen des Machine Learnings sowie künstliche Intelligenz die komplexen Datenströme, um ungenutzte Effizienzpotenziale präzise aufzudecken.
Eine der zentralen technologischen Investitionen ist das digitale Analysesystem EOS (Energy Optimization System), das seit 2023 schrittweise in der AIDA Flotte ausgerollt wird. Die Software unterstützt die Besatzung in nahezu Echtzeit bei operativen Stellschrauben – etwa bei der Feinjustierung bordeigener Energieströme oder der Berechnung verbrauchsminimaler Routen.
Für die Berechnungen verarbeitet das System eine Vielzahl von Einflussgrößen, darunter Wetter- und Winddaten, spezifische Schiffs- und Maschinenparameter sowie die aktuelle Passagierzahl. Die bisherigen Betriebserfahrungen belegen, dass EOS den Energiebedarf für den Schiffsantrieb und den Betrieb der Bordsysteme messbar senkt.
Dirk Inger, Senior Vice President Public Affairs, Communication & Sustainability AIDA Cruises äußert sich: „EOS zeigt, welchen Mehrwert die Digitalisierung für den Schiffsbetrieb schaffen kann. Indem wir Daten in konkrete Handlungsempfehlungen übersetzen, befähigen wir unsere Crews zu noch effizienteren Entscheidungen. Das führt bereits heute zu Einsparungen in Millionenhöhe und macht unsere Flotte fit für die Zukunft.“
Verstärkter Fokus auf nachhaltige Biokraftstoffe
Inger erklärt: „Nach ersten Pilotprojekten in den vergangenen Jahren baut AIDA Cruises den Einsatz biobasierter Kraftstoffe weiter aus. Im Jahr 2025 wurden für AIDAnova mehr als 8.500 t ISCC EU zertifiziertes Bio-LNG in den Häfen Hamburg, Kiel und Zeebrügge bezogen. Das Bio-LNG stammt aus europäischen Biogasanlagen und wurde über die massenbilanzierte Methode für die Schifffahrt nutzbar gemacht.“
Biokraftstoffe, die die Kriterien der EU-Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED III) erfüllen, bieten kurz- und mittelfristig eine wirksame Lösung, um die Klimaziele der Europäischen Union sowie der IMO zu erreichen und die Vorgaben der FuelEU-Maritime-Verordnung zu erfüllen.
Parallel dazu bereitet AIDA Cruises gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft und Industrie den künftigen Einsatz von E-Fuels vor. Im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten CAMPFIRE-Bündnisses engagiert sich die Dekarbonisierungsabteilung des Unternehmens in der Forschung an neuartigen Energieumwandlungs- und Speichertechnologien auf Basis von grünem Ammoniak. Zudem bringt sich AIDA Cruises über die Dekarbonisierungsabteilung der Carnival Maritime GmbH als assoziierter Partner in das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderte Forschungsprojekt HydroPoLEn ein. Dieses untersucht den Einsatz von Wasserstoff als Kraftstoff für zukünftige Schiffsmotoren und analysiert die daraus resultierenden Anforderungen an die Integration an Bord von Kreuzfahrtschiffen.
„Insgesamt bleiben aber für den Einsatz von E-Fuels einige Herausforderungen, wie die Verfügbarkeit in den Häfen, die Produktionskapazitäten auf industriellem Niveau und international einheitliche Rahmenbedingungen sowie fehlende marktfähige Preise in Deutschland und Europa“, fügt Inger hinzu.
Bereits im Sommer 2022 nutzte AIDA Cruises erstmals Biokraftstoff an Bord der AIDAprima. Im Jahr 2024 folgte ein weiteres Pilotprojekt mit einem aus Abfallstoffen gewonnenen Biokraftstoff, der die CO₂-Emissionen laut Hersteller um über 90 Prozent senkt. Zudem sind die LNG-Schiffe der Flotte schon jetzt technisch darauf ausgelegt, künftig auch Bio- und E-LNG zu nutzen, sobald diese synthetischen Alternativen in ausreichender Menge am Markt verfügbar sind.
Fortlaufender Ausbau der Landstromnutzung
AIDA Cruises zählt seit Jahren zu den Vorreitern bei der Nutzung von Landstrom in der europäischen Kreuzfahrtbranche. Die Einbindung dieser Technologie ist bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten ein fest verankerter Standard bei der Entwicklung und dem Bau neuer Schiffe. Im Jahr 2017 schrieb die AIDAsol Geschichte, als sie an der Anlage in Hamburg-Altona als erstes Kreuzfahrtschiff Europas den Landstrombezug im regulären Betrieb aufnahm. Seit diesem Meilenstein baut das Unternehmen die Nutzung landseitiger Energie kontinuierlich aus. Dirnk Inger betont: "Landstrom ist für uns eine wichtige Technologie, denn sie leistet einen Beitrag zur Senkung von Emissionen im Schiffsbetrieb und trägt zu einer Verbesserung der Luftqualität in den Häfen bei. Damit wir dieses Potenzial in Europa und weltweit vollständig nutzen können, ist eine weitere Beschleunigung des Ausbaus der landseitigen Infrastruktur entscheidend."
Derzeit sind AIDA Schiffe in 17 europäischen Häfen technisch und operativ in der Lage, während der Liegezeit Landstrom zu beziehen. Zum Netz der angeschlossenen Häfen zählen unter anderem Hamburg, Warnemünde, Kiel, Southampton, Bergen, Oslo, Stockholm, Rotterdam, Kopenhagen und Le Havre. Damit lässt sich bereits bei etwa der Hälfte aller Nordeuropa-Anläufe im Rahmen der Reisen ab deutschen Häfen auf die bordeigene Energieerzeugung verzichten.
Neue Impulse für die Kreuzfahrt: AIDA Innovation Hub
Die Bewerbungsphase für den neuen AIDA Innovation Hub ist erfolgreich beendet. Mehr als 150 Einreichungen sind bei AIDA Cruises eingegangen. Derzeit sichtet das Unternehmen die vorgeschlagenen Projekte, um die zukunftsträchtigsten Technologien und Ansätze für die maritime Wirtschaft auszuwählen.
Zuvor hatte das Unternehmen Start-ups, Tech-Betriebe, Industriepartner und Forschungseinrichtungen dazu aufgerufen, zukunftsweisende Konzepte in den Kategorien Dekarbonisierung, Nachhaltigkeit sowie künstliche Intelligenz und smarte Systeme einzureichen. Die vielversprechendsten Teams stellen ihre Initiativen am 16. September 2026 einer Expertenjury in Rostock vor. Die Sieger erhalten die Möglichkeit, ihre Ansätze im Rahmen einer Machbarkeitsstudie gemeinsam mit AIDA weiterzuentwickeln oder direkt in einem Pilotprojekt an Bord zu testen.