Viel Schönes, aber auch Enttäuschungen vom 09.06.2010

Costa Serena
Costa: Serena

Reisebericht / Bewertung vom 09.06.2010 zum Schiff Costa: Serena:


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Gesamtnote: 2,2
Autor: Werner
Alter: 55-60 Jahre
Reisedatum: 05 - 2010
bisherige Kreuzfahrten: erste
Note: 1

Ihre Reiseroute:

Eine sehr interessante und wunderschöne Route im östlichen Mittelmeer (Venedig-Bari-Katakolon-Izmir-Istanbul-Dubrovnik-Venedig), dazu jeden Tag wunderbares Wetter und die faszinierenden Eindrücke einer Seereise.
Leider überwiegend sehr knapp bemessene Zeiten für Landgänge, in Dubrovnik zusätzlich durch Aus-und Einschiffung mit Booten verkürzt.
Note: 3

Das Schiff allgemein:

Ein sehr großes und imposantes Schiff mit allerdings gruselig kitschiger Inneneinrichtung in allen öffentlichen Bereichen. Eher ein Funpark auf See, mit 3.300 Gästen jedoch total überfüllt. Es herrschte ständiges Gewusel, und außerhalb der Kabine war kaum ein ruhiger Ort zu finden. Überall und in nahezu allen Räumen laute Musik aus unterschiedlichen Quellen. Sogar auf den Tenderbooten beim Ausschiffen in Dubrovnik.

Es ist auch nicht einfach, sich auf der Costa Serena zu orientieren. Die Beschriftungen sind eher verwirrend, und dass man auf dem Weg zum hinteren Restaurant "Ceres" mehrfach die Decks wechseln muss (die Küche befindet sich auf Deck 4 zwischen den beiden Restaurants, welche sich auch noch jeweils über zwei Decks erstrecken, ist erst mal schwer zu durchschauen.

Der Mittelbereich von Deck 4 wird vom Photoshop in Anspruch genommen, auf Deck 5 finden sich hier Geschäfte und offene Verkaufsstände in den Durchgängen, die damit überwiegend unpassierbar wurden.

Die Aussendecks sind groß, es standen ausreichend Liegen zur Verfügung, was aber viele Gäste nicht von der Unsitte der "Handtuchreservierung" abhielt. Nach Möglichkeit wurde das vom Personal unterbunden.

Auf Deck 9 befindet sich hinten die "Libra Sole" Poolanlage mit einem kleinen Pool und einem separaten Whirlpool. Hier ist auch das Zentrum des Lärms (Bühne des Animationsteams, Geschrei von badenden Gästen, Große Kinoleinwand, Atmosphäre wie im Hallenbad.)

Das daran anschließende einzige Selbstbedienungsrestaurant "Prometeo" hat nicht genügend Plätze, um die Menge der Gäste aufzunehmen. Also wurde von Vielen auch dieses Poolareal für Buffetfrühstück und den Mittagsimbiß benutzt. Mehr als ungemütlich.

Für Kinder ganz toll die große Rutsche in den oberen Aussendeckpool und die Bademöglichkeiten generell.
Note: 1

Die Kabinen:

Wir hatten eine Balkonkabine im Vorderbereich des Decks 9. Die ruhige Kabine ist im Gegensatz zur übrigen Architektur des Schiffes sehr geschmackvoll eingerichtet. Alles ist zweckmäßig untergebracht, die Ausstattung stimmt und die Größe reichte absolut für zwei Erwachsene und unseren 9-jährigen Sohn.

Sowohl Kabine als auch Bad waren äußerst gepflegt und sauber. Vom kleinen Balkon (zwei Sessel und ein kleiner Tisch) gab es immer wieder herrliche Aussichten. Hier war es ruhig und man konnte sich auch wie auf einem Schiff fühlen.
Note: 3

Das Essen:

Es ist sicher nicht einfach, für 3.300 Gäste ein gutes und abwechslungsreiches Essen bereit zu stellen, und da Costa die Reisen ja eher im Low Cost Bereich anbietet, sollte man im Verhältnis zum Preis keine allerhöchsten gastronomischen Leistungen erwarten. Die nach eigenen Angaben als "5-Sterne" Küche bezeichnete Bordverpflegung war aber auf keinen Fall anzutreffen.

Das Frühstücksbuffet ist eher langweilig und wurde im Verlauf der Reise auch deutlich spärlicher (frische Ananas, Melone oder Jogurt gingen nach und nach aus.) Es gab nur zwei Sorten fetter Wurst, Käse lag in Blöcken da, tageweise abwechselnd fanden sich geräucherte Makrelenstückchen oder Rollmops an den Ausgabestellen, dazu immer exotisches, wie gekochtes Pökelfleisch, Haferbrei und ähnliches für den, der es denn mag. Man konnte sich auch Eierspeisen zubereiten lassen. Der Automatenkaffee hatte jedes Mal eine andere Qualität (von durchsichtig bis Marke Herzschlag) und die Fruchtsäfte schmeckten nur nach Chemie. Sehr gut fielen die Produkte der Bordbäckerei auf.

Das Mittagsbuffet war ganz okay. Stil und Qualität wie in den Restaurants der Kaufhäuser. Die Auswahl ist sicher ausreichend, aber nicht sehr originell. Meistens irgendwelche Ragouts verschiedener Zusammensetzung, wenig frische Salatzutaten.

Fischfilets lagen auch jeden Tag in einer Schale, ohne nähere Angabe nur als "Fisch" gekennzeichnet. Vermutlich war es jeden Tag der Gleiche.

Jedes Mal konnte man sich auch ein Pastagericht holen, oder an der Grillstation einen Burger zusammenstellen. Pizzastücke (zwei Sorten) gab es fast rund um die Uhr.

Ganz negativ wurde der Umstand empfunden, dass es kaum möglich war, gemeinsam zu essen. Einer musste immer die nach langem Warten ergatterten Sitzplätze an einem Tisch verteidigen, während sich die anderen Familienmitglieder tapfer in den Schlagen an den Buffets durchkämpften. Ein weiteres Problem der hohen Passagierzahl.

Im Buffetrestaurant wird von Plastikgeschirr gegessen und aus Plastikgläsern getrunken. Getränke werden ausschließlich glasweise serviert, auch wenn man ein Getränkepaket gebucht hat.

Das Abendessen wird in zwei Schichten für jeweils ungefähr 800 Gäste gleichzeitig pro Restaurant serviert. Die Eindeckung ist wunderschön, die Menükarten sind beeindruckend, aber die gebotene Leistung nicht immer überzeugend. Küchenfehler wie nur halb gegarte Kartoffeln, warme Gaspacho, unzerteilbar zähes Fleisch trübten mehrmals den guten Eindruck. Im Großen und Ganzen war das Restaurantessen aber akzeptabel bis gut.
Leider konnte auch beim Abendessen keine angenehme Atmosphäre aufkommen. Wir hatten Plätze an einem 12-Personentisch erhalten, der glücklicherweise aber nur mit 5 Personen besetzt war. Durch den Lärm der vielen Menschen um uns herum, öfter auch mal durch laute Musik und heftige Animationseinlagen von der Empore unterbrochen, war es stets nur schwer möglich, sich mit den Tischnachbarn zu unterhalten.

Kleiner Wermutstropfen. Der immer gleiche Weißwein (Flasche) war auch immer lauwarm. Das ließ sich auch durch einen nachträglich bereit gestellten Weinkühler nicht verbessern. Aber Eiswürfel wollte ich mir nun auch nicht unbedingt ins Weinglas geben...
Note: 1

Den Service:

Service der Mitarbeiter an Bord:
Die meisten Servicemitarbeiter kommen aus dem asiatischen Raum und deren Service an Bord war exzellent. Vor allem der freundlich unaufdringliche tägliche Kabinenservice, dem eine Extra-Anerkennung gebührt. Der Kabinenzustand war jederzeit tipp topp, und wir wurden immer unaufgefordert mit allem versorgt. Von einer einzigen Cabin Attendant, welche immerhin für 19 Kabinen zuständig war.

Im Restaurant waren für unseren Tisch ein Steward für die Speisen und ein weiterer für die Getränke zuständig. Beide waren äußerst freundlich und bemüht, unsere Wünsche umgehend zu erfüllen. Es gab kaum Wartezeit, und wenn manchmal auch Vorspeisen oder Hauptgerichte nicht für alle zur gleichen Zeit serviert werden konnten, lag das sicher an der schon mehrfach zitierten riesigen Zahl an Gästen.

Putzig wurde empfunden, dass jeden Abend sofort ohne Nachfrage die gleichen Getränke wie am Vortag auf dem Tisch erschienen. War sicher nett gemeint.

Eine Erfahrung noch am Rande: Wir hatten im Voraus pauschal das Getränkepaket "X1"(jeweils Alkoholische und alkoholfreie Getränke zu den Hauptmahlzeiten) gekauft. Das liest sich ja nicht schlecht, ist aber an Bord dann auf eine ganz kleine Auswahl beschränkt. Andere Weine zum Beispiel kosten, wie so jedes Extra auf der Costa Serena, reichlich zusätzlich. Es werden auch an Bord Getränkepakete verkauft, die definierte Weine, etc. umfassen. Wahrscheinlich die bessere Variante. Kann man aber nicht im Voraus bestellen.

Zum Service noch eine Anmerkung. Costa erhebt pro erwachsenem Gast eine Servicepauschale von 7 € pro Tag. Dazu kommen auf alle einzeln erworbenen Leistungen (Getränke, Espresso, Schokobrunnen, etc.) noch jeweils 15% Servicegebühr, also sollte der Service abgegolten sein.
Die besondere Freundlichkeit und Aufmerksamkeit unserer Cabin Attendent und der zwei Stewards im Restaurant haben wir jedoch gerne zum Abschluss mit einem zusätzlichen Trinkgeld honoriert.

Nicht unerwähnt bleiben soll auch, dass die vielen anderen Servicemitarbeiter, wie z.B. die Security-Crew, die Buffetmitarbeiter oder das Personal an der Rezeption durchweg nur positiv aufgefallen sind.

Service der Reederei:
Ganz dickes Plus für die kostenlose Mitreisemöglichkeit von Kindern in der Kabine der Eltern. Es gab keinerlei Aufschläge, weder für die Seereise, noch für Essen und Trinken an Bord oder die Kinderbetreuung im Squok-Club.

Die Organisation des Bordlebens ist ausgezeichnet. Es werden über die täglich in der Kabine ausliegende "Today"-Broschüre als auch das Bordfernsehen umfassende Informationen gegeben.
Die Costa Card (Ausweis- und Zahlkarte während der Kreuzfahrt) kann inzwischen an verschiedenen Terminals mit der Kreditkarte registriert werden, die Abrechnungen waren korrekt und, da bargeldlos, bestens zu handhaben.

Ein- und Ausschiffung in Venedig waren gut organisiert und problemlos zu durchlaufen. Das abgegebene Gepäck wartete bereits in der Kabine und wurde auch nach der letzten Ankunft pünktlich im Hafenterminal bereit gestellt. Am letzten Tag mussten die Kabinen bis 8:00 Uhr morgens freigemacht werden. Das ist verständlich, da sie für die nächsten Gäste vorbereitet werden sollen. Das Handgepäck konnte aber auf Deck 5 in einem abgeschlossenen Raum deponiert werden, und die Koffer waren sowieso schon in der Nacht abgeholt worden.

Natürlich gingen Ein- und Ausschiffung nicht ohne Wartezeiten ab. Bei der Abreise in Venedig etwa zwei Stunden in einem total überfüllten Terminal, dessen Klimaanlage man leider erst sehr spät aktivierte. Beim Ausschiffen etwa eine Stunde im Bordtheater. Aber das sehe ich bei derartigen Passagierzahlen als normal an.
Note: 4

Das Unterhaltung-/Sportangebot:

Animation:
Weitgehend vermieden, da mir zu laut und zu banal. Wer's mag...

Sportangebot:
Nicht genutzt

Bordveranstaltungen:
Im beindruckend ausgestatteten Theater "Giove" fanden Shows und Infoveranstaltungen statt. Zwei Shows wurden besucht, wovon die Eine bewundernswerte Akrobatik bot, die Andere mehr mit Peinlichkeiten glänzte. Geschmackssache.

In den Restaurants und dem Theater wurde außerdem jedes Klischee einer Kreuzfahrt bis hin zum unvermeidlichen Captain's Gala Dinner inszeniert, aber alles war wenig authentisch sondern einfach Show.

Dabei fiel stets der "Kreuzfahrtdirektor" dadurch auf, dass er ohne Pause zwischen den Sätzen im 7-Sprachen-Stakkato alles moderierte. Schwer zu ertragen.

Die Ausschiffungsinfo bleibt mir überwiegend dadurch in Erinnerung, dass die Gäste von der deutschen Hostess per Ansage minutenlang aufgefordert wurden, für ihre Arbeit auf dem Feedbackbogen der Reederei unbedingt die Bewertung allerhöchster Zufriedenheit anzukreuzen, da schon die Stufe "sehr gut" nicht im mindesten für die Leistungen ausreichen würde. Peinlich, so etwas tut man einfach nicht.

Sonstiges Unterhaltungsangebot:
Auf Deck 3 und 5 gibt es in Innenräumen zahlreiche Bars unterschiedlicher Themen, einen ausgedehnten Bereich mit Spielautomaten und ein Spielkasino. Überall war ständig Musikbeschallung und zum Teil nerv tötendes Gedudel.
Man konnte den Eindruck verlieren, auf einem Schiff zu sein.

Ganz übel fielen die zudringlichen Bordfotografen auf. Sie liessen sich kaum abwimmeln und störten sogar nachhaltig beim Essen im Restaurant.

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